Die sieben Sünden des Stadtguerillero

Auszug aus dem “Handbuch des Stadtguerillero” von Carlos Marighella , veröffentlicht in Brasilien im Dezember 1968. In einer Lebenssituation, in der gegen die Diktatur gekämpft wurde.
Im Kontext dieser geschichtlichen Situation ist der Text zu sehen. Ich denke nur, er sollte nicht in Vergessenheit geraten. In der Hoffnung, das er keiner Anwendung mehr bedarf.

Auch dann, wenn der Stadtguerillero mit großer Exaktheit die revolutionäre Technik anwendet und die Sicherheitsregeln genau erfüllt, ist er nicht vor Fehlern gefeit. Es gibt keinen perfekten Stadtguerillero. Das Einzige, was getan werden kann, ist, sich zu bemühen, den Spielraum der Fehler möglichst klein zu halten, denn die Perfektion kann nicht erreicht werden. Ein Mittel, das wir bei der Einengung des Fehlerspielraums anwenden können, besteht darin, die sieben Sünden des Stadtguerillero zu kennen und sie zu bekämpfen.

Die erste Sünde des Stadtguerillero ist die Unerfahrenheit. Der Stadtguerillero, der diese Sünde begeht, glaubt, daß der Feind dumm ist, unterschätzt seine Intelligenz, glaubt, daß die Aktionen einfach durchzuführen sind und hinterläßt Spuren mit katastrophalen Folgen. Infolge seiner Unerfahrenheit kann der Stadtguerillero  die Kräfte des Feindes auch überschätzen und ihn daher für stärker halten, als er tatsächlich ist. Läßt er sich von dieser Annahme irreleiten, dann kann er sich leicht Einschüchtern lassen und wird unsicher und unentschlossen, gelähmt und ohne Initiative.

Die zweite Sünde des Stadtguerillero ist die, mit den von ihm ausgeführten Aktionen anzugeben und sie in alle vier Himmelsrichtungen auszuposaunen.

Die dritte Sünde des Stadtguerillero ist die, daß ihm der Kamm schwillt. Der Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, versucht die Probleme der Revolution dadurch zu lösen, daß er Aktionen in der Stadt auslöst, ohne sich dabei um den Beginn und das Überleben der Guerilla auf dem Land zu kümmern. Von den erreichten Erfolgen geblendet, organisiert er eine Aktion, die er für entscheidend hält und in der er alle Mittel und Kräfe der Organisation aufs Spiel setzt. Da die Stadt ein Gebiet innerhalb der strategischen Umzingelung durch die Kräfte der Repression ist, die wir verhindern oder durchbrechen können, wenn die Landguerilla noch nicht entfaltet oder für den Sieg stark genug ist, dann wird der fatale Fehler begangen, der dem Feind den entscheidenden Angriff auf uns erlauben wird.

Die vierte Sünde des Stadtguerillero ist es, seine eigenen Kräfte zu überschätzen und daher Aktionen durchführen zu wollen, deren Voraussetzungen er noch nicht erfüllen kann, da er noch nicht über eine geeignete Infrastruktur verfügt.

Die fünfte Sünde des Stadtguerillero ist die Voreiligkeit. Der Stadtguerillero, der dieser Sünde erliegt, verliert die Geduld, wird nervös, kann nicht abwarten und wirft sich daher stürmisch in die Aktionen, in denen er notgedrungen unerwartete Rückschläge erleiden muß.

Die sechste Sünde des Stadtguerillero ist, den Feind dann anzugreifen, wenn dieser gerade besonders gereizt und wütend ist.

Die siebte Sünde des Stadtguerillero besteht darin, die Aktionen nicht genau zu planen und sich auf die Improvisation zu verlassen.

wollte ich mal so archiviert haben liebe gemeinde !!! euer ahnunglosER